Der Härteste aller Härtetests

Im Juni 2005 mußte die Taurus zeigen was sie kann. Ich fuhr in die Schweiz da es hier wunderschöne Pässe zum Biken gibt. Man beachte die Leistung des Kleindiesels von 6,5PS stand einer zu bewegenden Masse von 360KG (inkl. Fahrer - habs extra gewogen und nicht glauben können) gegenüber.

Leider habe ich hier nicht genug Platz um all die schönen Eindrücke dieser Urlaubsfahrt zu dokumentieren.

 

Um dem Gelabere von der Unzuverlässigkeit und dem schlechten Ruf der 325er Diesel entgegenzuwirken: In den 5 Tagen wurden knapp 1400KM abgespult. Aber das nicht in der Ebene sondern auf steilsten Paßstraßen auf denen die Enfield angesichts des hohen Gewichts an ihre Grenzen stieß. Das einzigste was an Defekten auftrat war eine defekte Beleuchtung des Amperemeters und ein kaputtvibriertes Schloß vom linken Werkzeugfach. Natürlich waren auch losvibrierte Schrauben dabei, was ich allerdings erst zu Hause bemerkte.

 

Irgendwo auf Schweizer Straßen liegt dank minderwertigen Werkzeugfachschlössern ein Teil meines Bordwerkzeuges rum. Scheinbar waren mal wieder Vibrationen Auslöser für diesen Defekt. Die originalen Schlösser wurden durch Markenschlösser ersetzt, allerdings kosten die auch mehr. Die Riegel der Schlösser müssen allerdings angepaßt werden. Bezugsquellen/Größe/Preis kann ich auf Anfrage nennen.

 

rechts indisches Gelumpe, links die neuen Schlösser

 

Das hier war unsere Hütte, ein ehemaliger Kuhstall mitten auf der Alm. Das Hüttchen wurde von einem Verein ausgebaut zu einer richtigen Hütte eben. Das Problem war, mit den Mopeds da rauf zu kommen.

 

leider nicht zu erkennen ist die Steilheit dieses Wegchens rauf zur Hütte gespickt mit Schlaglöchern. Die Enfield mußte ich hier stehend (wegen der Schlaglöcher) mit dem ersten Gang Vollgas raufprügeln. Die nächste Abstellmöglichkeit wäre ziemlich weit unten Richtung Tal gewesen und das wollte ich mir nicht geben, außerdem ist es mir lieber das Moped in Sichtweite zu haben.

 

da stand sie, die Geprügelte- jaja, sie mußte die paar Tage schon was mitmachen. Der Sattelbezug aus Lammfell hat sich übrigens hervorragend bewährt.

 

Super Landschaftsbilder habe ich mitgebracht, aber in Wirklichkeit wars noch schöner.

 

dieses Foto habe ich gemacht bei der Auffahrt zum Klausenpaß (2000m)

 

und wer noch gute Augen hat, kann unten die "Sträßchen" erkennen. In Wirklichkeit war es viel steiler als es hier aussieht. Die Auffahrt dauerte knapp ne 3/4Stunde bei Vollgas im ersten und zweiten Gang.

 

oben angekommen wars auf einmal Winter. Dort oben lag mehrere Meter hoch der Schnee und das im Juni.

 

 

wieder unten auf der anderen Seite. Ganz oben sieht man die Klausenpaßhöhe, von dort oben bin ich dann wieder runter gefahren. Toll war die Tatsache, daß ich bergab nur unmittelbar vor den Kurven abbremsen mußte, der Diesel verzögerte bergab absolut bremsenschonend.

 

Wußte ich auch nicht: bei den Schweizern ist der Diesel teurer als das Benzin.

 

Komische Sprache, was soll das heißen??

 

wie schon gesagt - entgegen des Rufes der 325 Diesel lief sie trotz der harten Beanspruchung wie ein Uhrwerk. Die Leistungsgrenze fanden die 6,5PS und 360KG Einsatzgewicht am Praglpaß mit über 20%Steigung. Hier wurde der Motor so heiß, daß ich mir Sorgen machen mußte. Sie hat aber alles unbeschadet überstanden. Markiert ist hier die Klemmschraube der Schlauchschelle vom Entlüftungsschlauch oben am Ventildeckel. Diese hatte sich losvibriert und zu Hause hatte ich sie unten wieder gefunden - Sachen gibts???

 

Muß ich mir auch mal was einfallen lassen: Die Schraube arbeitet sich durch die Vibrationen in das Auspuffrohr.

 

vorübergehend habe ich mal einen kleinen Keil dazwischen geklopft, damit es nicht noch schlimmer wird (unten links im Bild)

 

Die Taurus hat sich auf der Nachhausefahrt wieder ein paar neue, nervende Töne ausgedacht. Zu Hause baute ich die Motorabdeckung ab

 

und klebte etwas Schaumstoff unten ans Blech - weg war das Geklappere.

 

die Auspuffinnereien hatten sich wieder gelöst und wurden wieder "verkeilt".

 

mein bester Mechaniker.

-----------------------------------------------------------------------------------------

 

Getriebe

Beim Ankicken der Diesel merkte ich schon seit mehreren Monaten daß was nicht stimmt. Der Kickstarter rutschte manchmal durch. Auf der Heimfahrt von der Schweiz bei Freudenstadt habe ichs dann geschafft die Kickstartermechanik zu schrotten. Das Ersatzteil, das Kickstarterplättchen lag schon lange wartend zu Hause rum.

 

Beim zerlegen

 

Das Plättchen kostet je nach Händler 1,5 bis 4€ -traumhafte Ersatzteilpreise. Den O-Ring hintendran empfehle ich auch zu wechseln.

 

Vorsicht: Beim Abnehmen des Gehäusedeckels bleibt gerne der Distanzring kleben und verliert sich schnell, am besten gleich wieder auf die Welle damit.

 

so sieht das dann aus

 

auf der oberen Getriebewelle sitz direkt hinter dem Deckel diese Scheibe (sie befördert durch die Spiralnut (linksdrall) am Umfang das Öl vom Getriebelager im Deckel ins Getriebeinnere. In der Bohrung wies die Scheibe Materialaufwerfungen aus-normal???

 

übertreiben kann man die Abschmiererei auch.

 

Die Schaltklinke

 

Die Druckstange der Kupplungsbetätigung war in einem sehr guten Zustand.

 

leider schlecht zu erkennen: Das markierte Zahnrad wies Freßspuren an der Planfläche auf.

 

Nach dem vollständigen Zerlegen muß der Halbmond so eingestellt werden, daß der Kickstarter sauber läuft.

 

alles gesäubert--- in der Markierung sieht man die Kickstarterwelle, rechts daneben ein originalverpacktes Kickstarterplättchen.

 

Beim Zusammenbau habe ich alle Schrauben mit einer Federscheibe und Dichtmasse versehen. Die Gewindebohrungen im Getriebe sind Durchgangsbohrungen und das Getriebe drückt das Öl auch durch angezogene Schrauben.

 

Wieder zusammen.

 

mit dem Neutralfinder kann man das Getriebe wunderschön durchschalten. Der Motor, bzw. das Hinterrad muß natürlich dabei gedreht werden.

 

Anstatt der Kupferringe habe ich mir zum Versuch Dichtringe aus PE gedreht, da man die Kupferringe immer so sehr anziehen muß damit sie dichten. Überzeugt haben mich die Kunsstoffringe im Nachhinein allerdings nicht.

So, und nun kommt der Hammer: hatte ich doch am Getriebe keinerlei Änderungen vorgenommen lies es sich zwar einwandfrei rauf, aber nicht oder nur mit lautem Krachen wieder runterschalten. Was jetzt folgte waren unzählige Einstellungen der Schaltklinke und des Rastzapfens am Getriebe begleitet durch stundenlanges Geschimpfe über indische Motorradtechnik - alles nützte nichts. Ich weiß nicht wie oft ich das Getriebe geöffnet und wieder zusammengeschraubt habe und jedes mal zwischendrin die Probefahrt - zumindest kann ich das jetzt im Schlaf.

Nach stundenlanger Sucherei und Probiererei fiel mir ein, daß beim demontieren die Mutter der oberen Getriebewelle nur handfest angezogen war. Bei einem Überstand der Getriebewelle zur Mutter von 0,5mm zeigten sich eben die Symptome mit der Kracherei beim runterschalten. Das Axialspiel der oberen Getriebwelle betrug dann 0,5mm. Danach löste ich die Mutter so weit, daß sie schließlich 0,6mm über die Welle überstand, dies ergab ein Axialspiel von 1,1mm. Im Einsatz spielt das Axialspiel scheinbar keine große Rolle, da die Welle bei betätigter Kupplung eh nach links (gegen das Kupplungslager) gedrückt wird (die Mutter erhält dadurch Spannung) und während der Fahrt liegt hier im Optimalfall mit kaum Spiel der Kupplungsmechanismus an >> kein Axialspiel. Und genau mit der Einstellung war das Getriebe nicht wieder zu erkennen. Sogar im Stand war es jetzt möglich vom ersten Gang zu neutral zu schalten, ohne mit der Kupplung oder dem Gas zu spielen wäre das vorher undenkbar gewesen, auch die Schalterei ist jetzt top. Nachdem ich mich intensiv mit dem Scheiß auseinandergesetzt hatte, akzeptierte ich es halt einfach und machte es wie die Inder: es funktioniert und keiner weiß warum und wenn nicht, wird so lange probiert bis es paßt. Aber es läßt mir trotzdem keine Ruhe wieso die Welle so viel Axialspiel braucht. Irgendwann baue ich das Getriebe komplett auseinander und sehe mir die Kupplungsseite an. Rechts über dem roten Quadrat sieht man den Rastzapfen der Schaltgabel. Hier muß drauf geachtet werden, das der Schlitz der Schraube waagrecht steht.

 

beim Ermitteln der Axialspiele.

 

die Kupplungsdruckstange steht normalerweise 5mm über das Deckelchen (hinter dem Montiereisen) vor. Durch meine Probiererei sind es jetzt 4mm - was will man machen- es funktioniert. Mit dem Montiereisen kann man prüfen ob die Kupplung sauber läuft. Der Hub beträgt ca. 3 bis 3,5mm.

----------------------------------------------------------------------------------------------